Demenz: Definition, Formen und Umgang im Alltag
Demenz ist ein Syndrom, das Gedächtnis, Denkvermögen und Verhalten beeinträchtigt und vor allem ältere Menschen betrifft. In der Schweiz leben rund 150’000 Menschen mit einer Demenzerkrankung. Erfahren Sie hier, welche Demenzformen es gibt, wie sich die Krankheit äussert und wie Angehörige den Alltag mit Demenz meistern können.
Was ist Demenz? Definition
Demenz ist der Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen des Gehirns, bei denen es zu einem fortschreitenden Verlust von geistigen Fähigkeiten kommt. Es handelt sich nicht um eine einzelne Krankheit, sondern um ein Syndrom, das durch eine Vielzahl von Erkrankungen ausgelöst werden kann.
Die Demenz-Definition umfasst eine anhaltende und fortschreitende Beeinträchtigung von Gedächtnis, Denkvermögen, Orientierung, Sprache, Urteilsfähigkeit und sozialem Verhalten. Diese Beeinträchtigungen müssen so ausgeprägt sein, dass sie den Alltag deutlich erschweren.
Demenz ist keine normale Alterserscheinung. Obwohl das Risiko mit dem Alter steigt, ist Vergesslichkeit allein noch kein Zeichen einer Demenz. Entscheidend ist, dass mehrere kognitive Funktionen gleichzeitig betroffen sind und die Einschränkungen über mindestens sechs Monate bestehen.
Demenz Formen
Es gibt verschiedene Demenzformen, die sich in Ursache, Verlauf und Symptomen unterscheiden:
Alzheimer-Demenz (ca. 60 %)
Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz. Sie wird durch Eiweissablagerungen (Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen) im Gehirn verursacht, die zum Absterben von Nervenzellen führen. Der Verlauf ist schleichend: Zunächst ist das Kurzzeitgedächtnis betroffen, später auch das Langzeitgedächtnis und weitere kognitive Funktionen.
Vaskuläre Demenz (ca. 15-20 %)
Die vaskuläre Demenz entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, oft infolge von Schlaganfällen oder chronischen Gefässerkrankungen. Der Verlauf ist häufig stufenweise, nach jedem Ereignis verschlechtern sich die Fähigkeiten sprunghaft. Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen.
Lewy-Body-Demenz (ca. 10-15 %)
Bei der Lewy-Body-Demenz lagern sich Eiweissklümpchen (Lewy-Körperchen) in den Nervenzellen ab. Typisch sind starke Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit, visuelle Halluzinationen und Parkinson-ähnliche Bewegungsstörungen.
Frontotemporale Demenz (ca. 5 %)
Die frontotemporale Demenz betrifft vor allem die Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns. Sie äussert sich häufig durch Persönlichkeitsveränderungen, Enthemmung, Antriebslosigkeit oder auffälliges Sozialverhalten. Das Gedächtnis bleibt anfangs oft noch erhalten. Diese Form tritt häufiger bei jüngeren Menschen (unter 65) auf.
Symptome und Verlauf
Der Verlauf einer Demenz wird typischerweise in drei Stadien eingeteilt:
Frühes Stadium
- Vergesslichkeit, insbesondere bei kürzlichen Ereignissen
- Schwierigkeiten bei der Wortfindung
- Orientierungsprobleme in unbekannter Umgebung
- Einschränkungen bei komplexen Alltagsaufgaben (Finanzen, Kochen)
- Rückzug aus sozialen Aktivitäten
Mittleres Stadium
- Deutlicher Gedächtnisverlust, auch Langzeitgedächtnis betroffen
- Verwirrung bezüglich Zeit und Ort
- Schwierigkeiten beim Erkennen von Personen
- Verhaltensänderungen: Unruhe, Aggression, Angst
- Zunehmender Unterstützungsbedarf bei Körperpflege und Ankleiden
- Möglicherweise Inkontinenz
Spätes Stadium
- Nahezu vollständiger Gedächtnisverlust
- Angehörige werden nicht mehr erkannt
- Verlust der Sprache und Kommunikationsfähigkeit
- Vollständige Pflegebedürftigkeit
- Bettlägerigkeit und eingeschränkte Mobilität
- Schluckstörungen und erhöhtes Infektionsrisiko
Umgang mit Demenz im Alltag
Der Alltag mit einer demenzerkrankten Person stellt Angehörige vor grosse Herausforderungen. Folgende Tipps können helfen:
- Struktur und Routine: Ein fester Tagesablauf gibt Sicherheit und Orientierung. Regelmässige Essens-, Ruhe- und Aktivitätszeiten helfen Betroffenen, sich zurechtzufinden
- Einfache Kommunikation: Kurze, klare Sätze verwenden. Blickkontakt halten, ruhig und geduldig bleiben. Nicht korrigieren oder diskutieren, sondern bestätigen und ablenken
- Sicherheit im Zuhause: Stolperfallen entfernen, Herd sichern, Nachtlichter installieren. Türen und Fenster bei Weglauftendenz sichern
- Aktivitäten anpassen: Bekannte Tätigkeiten wie Kochen, Gartenarbeit oder Singen fördern und anpassen. Überfordern Sie die Person nicht, aber fördern Sie verbleibende Fähigkeiten
- Eigene Grenzen achten: Die Pflege eines demenzerkrankten Menschen ist extrem belastend. Nehmen Sie Entlastungsangebote an, wie Tagesstätten, Spitex oder Betreuungsgruppen
- Professionelle Unterstützung: Scheuen Sie sich nicht, Hilfe anzunehmen. Die Alzheimer-Vereinigung bietet Beratung, Kurse und Selbsthilfegruppen an
Demenz und Angehörigenpflege
Die Pflege eines an Demenz erkrankten Angehörigen ist besonders fordernd, physisch, psychisch und zeitlich. In der Schweiz stehen pflegenden Angehörigen verschiedene Unterstützungsleistungen zu:
- Pflegelohn: Je nach Kanton und Pflegestufe können Sie als pflegender Angehöriger eine Entschädigung für die Angehörigenpflege erhalten
- Hilflosenentschädigung: Demenzbetroffene mit regelmässigem Hilfebedarf haben Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung der AHV/IV
- Betreuungsgutschriften: Pflegende Angehörige können Betreuungsgutschriften der AHV geltend machen, die sich positiv auf die Rente auswirken
- Spitex und Entlastungsdienste: Professionelle Unterstützung durch die Spitex oder Entlastungsdienste entlastet Angehörige im Alltag
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