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Wundversorgung zu Hause: Ratgeber für Angehörige

Redaktion pfleg.ch Geprüft von Pflegefachperson HF Aktualisiert: 6. April 2026

Die richtige Wundversorgung ist entscheidend für eine schnelle und komplikationsfreie Heilung. Ob kleine Alltagsverletzungen oder chronische Wunden bei pflegebedürftigen Angehörigen: Erfahren Sie hier die Grundlagen der Wundbehandlung, den Unterschied zwischen primärer und sekundärer Wundheilung sowie wann Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollten.

Grundlagen der Wundversorgung

Unter Wundversorgung (auch Wundbehandlung oder Wundmanagement) versteht man alle Massnahmen, die zur Reinigung, Versorgung und Heilung einer Wunde beitragen. Ziel ist es, Infektionen zu verhindern, die Heilung zu fördern und die Narbenbildung zu minimieren.

Bei der Erstversorgung einer Wunde gelten folgende Grundregeln:

  • Hände reinigen: Waschen Sie Ihre Hände gründlich oder tragen Sie Einmalhandschuhe, bevor Sie eine Wunde versorgen
  • Blutung stillen: Drücken Sie eine sterile Kompresse auf die Wunde, um die Blutung zu stoppen
  • Wunde reinigen: Spülen Sie die Wunde vorsichtig mit sauberem Wasser oder steriler Kochsalzlösung. Entfernen Sie sichtbare Fremdkörper
  • Desinfektion: Verwenden Sie ein geeignetes Wunddesinfektionsmittel (z.B. Octenisept oder Betadine)
  • Abdecken: Decken Sie die Wunde mit einem sterilen Pflaster oder einer Wundauflage ab

Wann ist professionelle Hilfe nötig? Bei tiefen, stark blutenden oder verschmutzten Wunden, bei Bisswunden, bei Verdacht auf Fremdkörper in der Wunde oder wenn die letzte Tetanusimpfung länger als 10 Jahre zurückliegt, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Primäre Wundheilung

Die primäre Wundheilung (auch Wundheilung per primam intentionem) ist die ideale Form der Wundheilung. Sie tritt bei sauberen, glatten Wunden auf, bei denen die Wundränder dicht aneinander liegen, etwa bei Schnittwunden oder chirurgischen Nähten.

Merkmale der primären Wundheilung:

  • Die Wundränder liegen direkt aneinander oder werden durch Naht, Klammern oder Pflasterstreifen zusammengehalten
  • Die Wunde heilt relativ schnell (in der Regel innerhalb von 6-8 Tagen)
  • Es bildet sich nur wenig Narbengewebe
  • Das Infektionsrisiko ist gering, sofern die Wunde sauber versorgt wird
  • Das kosmetische Ergebnis ist in der Regel gut

Voraussetzungen für eine primäre Wundheilung sind: glatte Wundränder, keine Fremdkörper in der Wunde, gute Durchblutung des umliegenden Gewebes und keine Infektion.

Sekundäre Wundheilung

Die sekundäre Wundheilung (Wundheilung per secundam intentionem) tritt bei offenen Wunden auf, bei denen die Wundränder nicht direkt aneinander liegen. Dies betrifft etwa Schürfwunden, Verbrennungen, Druckgeschwüre (Dekubitus) oder infizierte Wunden.

Bei der sekundären Wundheilung durchläuft die Wunde drei Phasen:

  • Reinigungsphase (Exsudationsphase): Der Körper reinigt die Wunde von abgestorbenem Gewebe, Bakterien und Fremdkörpern. Die Wunde nässt stark
  • Granulationsphase: Neues Bindegewebe (Granulationsgewebe) füllt die Wunde von unten her auf. Das Gewebe ist rosa bis rot und gut durchblutet
  • Epithelisierungsphase: Neue Hautzellen wachsen vom Wundrand her über das Granulationsgewebe und verschliessen die Wunde

Die sekundäre Wundheilung dauert deutlich länger als die primäre, je nach Wundgrösse Wochen bis Monate. Es bildet sich mehr Narbengewebe und das kosmetische Ergebnis ist meist weniger gut. Besonders bei älteren oder pflegebedürftigen Menschen mit eingeschränkter Durchblutung oder Diabetes kann die sekundäre Wundheilung stark verzögert sein.

Aseptische Wundversorgung

Die aseptische (keimfreie) Wundversorgung ist ein zentraler Bestandteil der professionellen Wundbehandlung. Ziel ist es, das Einbringen von Keimen in die Wunde zu verhindern und damit Infektionen vorzubeugen. Aseptische Wundversorgung wird bei sauberen, nicht infizierten Wunden angewendet.

Grundprinzipien der aseptischen Wundversorgung

  • Händedesinfektion: Gründliche Desinfektion der Hände vor und nach jedem Verbandwechsel
  • Sterile Materialien: Verwendung von sterilen Kompressen, Wundauflagen und Instrumenten (Pinzetten, Scheren)
  • Non-Touch-Technik: Die Wunde und die wundberührenden Seiten der Auflagen dürfen nicht mit den Fingern berührt werden
  • Sterile Arbeitsfläche: Materialien auf einer sauberen, desinfizierten Unterlage vorbereiten

Benötigte Materialien

  • Sterile Kompressen und Wundauflagen
  • Wunddesinfektionsmittel und Händedesinfektionsmittel
  • Sterile Pinzette
  • Einmalhandschuhe (unsteril für äussere Arbeit, steril für Wundkontakt)
  • Fixiermaterial (Pflaster, Mullbinden, Fixiervlies)
  • Abwurfbehälter für gebrauchtes Material

Wundmanagement: Wann zum Arzt?

Nicht jede Wunde können oder sollten Sie selbst versorgen. Professionelle Wundbehandlung ist erforderlich, wenn folgende Warnsignale auftreten:

  • Zunehmende Rötung und Schwellung: Breitet sich die Rötung um die Wunde aus, kann dies auf eine Infektion hinweisen
  • Eiterbildung: Gelblich-grüner oder übelriechender Ausfluss aus der Wunde
  • Fieber: Erhöhte Körpertemperatur kann ein Zeichen für eine systemische Infektion sein
  • Rote Streifen: Rote Linien, die von der Wunde wegführen, deuten auf eine Lymphangitis (Blutvergiftung) hin, sofort zum Arzt!
  • Verzögerte Heilung: Wenn eine Wunde nach 2-3 Wochen keine Heilungstendenz zeigt
  • Chronische Wunden: Wunden, die länger als 8 Wochen bestehen (z.B. Dekubitus, Ulcus cruris)
  • Starke oder unstillbare Blutungen: Wenn die Blutung trotz Druck nicht aufhört

Insbesondere bei pflegebedürftigen Personen sollten chronische Wunden, Dekubitus (Druckgeschwüre) und schlecht heilende Wunden immer von einer Fachperson beurteilt und behandelt werden. Die Spitex bietet professionelles Wundmanagement zu Hause an.

Pflegen Sie einen Angehörigen zu Hause?

Wundversorgung ist nur ein Teil der häuslichen Pflege. Prüfen Sie, welche finanzielle Unterstützung Ihnen als pflegender Angehöriger zusteht.